Blog-Snack ūüĆĮ: Warum Social Media nicht schuld ist, dass wir uns als Dicke schlecht f√ľhlen (aber auch nicht wirklich hilfreich)

Weil das ganze System schon deutlich älter ist als Mark Zuckerberg und uns Schlankheit und Mäßigung als Ideale bereits von unseren Eltern in die Wiege gelegt wurden. Drei Standpunkte zur Untermauerung:

(1) Schlankheit ist in unserer westlichen √úberflussgesellschaft ein Ausdruck der sozialen √úberlegenheit.
Wo fr√ľher die Formel “Wohlbeleibtheit = ausreichend Geld f√ľr genug/gutes Essen = Reichtum” galt, ist heute die schlanke Figur das Zeichen, dass man √ľber ausreichend Bildung, Zeit und Geld verf√ľgt, um sich eine ‚Äöadrette‚Äė Figur zu erhalten. Und nat√ľrlich ist Wohlgeformt-D√ľnn-Sein DAS Zeichen f√ľr Leistung, denn wenn man die ganze Zeit faul in der Ecke sitzt und Burger um Burger reinstopft – was man so als Dicke den ganzen Tag halt macht, kann man ja nun wirklich keine wesentlichen Leistungen vollbringen (Ironie off…).

(2) Eine aktuell weit verbreitete √úberzeugung ist “Jede kann es heute schaffen!“.
Es kommt nicht mehr darauf an, adlig geboren worden zu sein ‚Äď einfach nur gen√ľgend ranklotzen, leisten, schaffen, dann wird es schon. Von der Tellerw√§scherin zur Million√§rin. Daran glauben wir doch, nicht? Oder m√∂chten es zumindest, weil wir davon tr√§umen k√∂nnen, gro√ü rauszukommen, auch ohne in die britische Thronfolge einzuheiraten… Ok, sehen wir mal davon ab, dass es inzwischen ausreichend Nachweise gibt, dass die Herkunft eben (leider) doch eine entscheidende Rolle f√ľr den Verlauf des eigenen Lebens spielt, und schauen doch nochmal konkret auf Social Media.
Soziale Netzwerke haben mediale Reichweite demokratisiert, d.h. jede kann teilhaben, auch ohne Geld und Einflussm√∂glichkeiten. Was gut ist. Was aber auch dazu f√ľhrt, dass das oben genannte K√∂rperideal (denn jede hat nen K√∂rper und kann damit auf Social Media “was machen”) √ľberproportional oft propagiert wird.

(3) Das heutige Frauenbild… oh mei…
Und wenn dann noch dazu kommt, dass sich das Frauenbild in der heutigen westlichen Gesellschaft insofern ver√§ndert hat, dass Frauen eben nicht mehr nur f√ľr die Reproduktion der Menschheit zust√§ndig sind. Sie werden als Arbeitnehmerinnen (“Leistungstr√§gerinnen!”) gewollt und gebraucht, haben viele Rollen und Aufgaben jenseits der Mutterschaft, aber sollen dann doch bittesch√∂n diese letztgenannte und verdammt nochmal ihr Aussehen nicht vernachl√§ssigen. Male gaze l√§sst gr√ľ√üen…

Mit Verlaub… ūü§ģ‚Ķ kein Wunder, dass wir uns von √Ąu√üerlichkeiten leiten lassen und ungl√ľcklich sind, wenn wir selbst nicht diesen (fragw√ľrdigen) Idealen entsprechen. Und weil es so stark in unserer Gesellschaft verankert ist, f√§llt es auch so schwer, sich davon zu l√∂sen.
Unabh√§ngigkeit von diesen Idealen erfordert die Entscheidung, daran zu glauben, dass es noch einen anderen Weg als die “Schlank-Anpassung” gibt. Und dann nochmal Entschlossenheit, denn auf dem Weg hin zu seinem eigenen Ideal f√ľhlt man sich nicht immer wie ein Regenbogen-pupsendes Einhorn. Aber es lohnt sich, denn am Ende des Weges stehen sehr kraftvolle Dinge wie Selbstbestimmung und Freiheit.

Alles, was ich heute tun kann, was ich mir erlaube und wovon ich tr√§ume, ist erst m√∂glich geworden, als ich gelernt habe, meinen K√∂rper zu akzeptieren. Mein K√∂rper ist mein wertvolles Zuhause, er ist meine sichere Basis ‚Äď gleichzeitig bestimmt weder sein Aussehen noch seine Gesundheit meinen Wert. Meine K√∂rperakzeptanz hat mir ein Ma√ü an Selbstbestimmung und pers√∂nlicher Freiheit verschafft, von dem ich nie geglaubt h√§tte, dass ich das so empfinden k√∂nnte.

Es war ein langer Weg, meinen (Selbst)Wert nicht mehr an mein Aussehen zu koppeln und das wirklich zu verstehen. Nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen. Ich sach‚Äė mal, das kommt auch mit Risiken und Nebenwirkungen, kein Vorteil ohne Nachteil. Aber ‚Äď ich freu mich auf alles, was kommt.

P.S.: Dass ich meinen K√∂rper akzeptiere und sch√§tze, hei√üt nicht, dass ich ihn immer und sowieso ganz toll und sch√∂n finde. Visible belly line geht aktuell f√ľr mich selbst zum Beispiel nur in safe spaces. Ich akzeptiere solche (ablehnenden) Gedanken aber genauso, denn nur dadurch gebe ich mir die Chance, sie zuk√ľnftig zu ver√§ndern.

Wo stehst du denn gerade mit deiner Körperakzeptanz?



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